Ford Focus MK2 Heckklappenschalter defekt – Reparatur

Nach 6 Jahren begann der Schalter zu spinnen. Wenn es feucht war, öffnete er während des Fahrens immer wieder die Heckklappe. Das Geräusch der sich elektrisch öffnenden Verriegelung begleitete mich einen Sommer lang. Am Ende lies sich die Klappe mit dem Handschalter an der Heckklappe manuell nicht mehr öffnen. Der Kofferraum ging nur noch mittels Fernbedienung auf.

Nach kurzer Sichtung des Internets zu diesem Thema wusste ich, dass der Schalter von Ford um die 40 Euro kostete, aber vom Typ „simpelster Microschalter“ war. Solche Schalter gibt es für Centbeträge im Fachhandel. Daher unternahm ich erst mal gar nichts. Als aber dann mal die Batterie der Fernbedienung leer war, ging der Kofferraum auch so nicht mehr auf. Jetzt beschloss ich, doch etwas zu tun.

Bekannt ist, dass das Schaltergehäuse undicht ist, Wasser hineinlässt und der Microschalter auf Dauer verrostet und so seinen Geist aufgibt. Es gibt Menschen, die schon zwei und mehr der Original-Schalter „verbraucht“ haben. So was würde ich eigentlich Konstruktionsmangel nennen.

Im folgenden Bilder von der Erneuerung des Schalters. Ich habe versucht, die eingebaute Schwäche des Schaltergehäuses zu beseitigen.

Das Schaltergehäuse ist in die Zierleiste über dem Nummernschild eingerastet. Man muss diese Leiste lösen. Sie ist mit vier Muttern innen angeschraubt. An die Muttern kommt man nur, wenn man die Innenverkleidung der Hecktür abnimmt. Diese ist mit zwei Schrauben (in den Handgriffvertiefungen) fixiert und sonst nur geklipst, kann also vorsichtig abgezogen werden.

Es sind außerdem 4 Steckkontakte zu den Kennzeichenbeleuchtungen und ein Steckkontakt zum Schalter selbst zu lösen. Danach kann man die Leiste abnehmen.


Abgenommene Leiste von Innen. Dies ist das Schaltergehäuse. Oben der Anschluss des Schalters.

 


Blick auf eine der beiden Kennzeichenbeleuchtungen.

 


Herausgelöstes Schaltergehäuse. Ist ziemlich dreckig.

 


Die Gummiabdeckung des Gehäuses. Hier dringt typischerweise das Wasser von oben ein.

 


Hier die abgezogene Gummiabdeckung. Wie man bei Ford glauben kann, dass diese Technik das Wasser abhalten könnte ist mir rätselhaft.
In meinem Schalter war ein weißes Pulver oder weiße Farbe, möglicherweise schon ein (sinnloser) Ausbesserungsversuch des Vorbesitzers.

 


Unten die Reste des Außenteils des Microschalters. Komplett weggerostet. Oben die Metallplatte, auf die man von außen drückt. Diese drückt dann mit der mittigen „Nase“ auf den Microschalter.

Das Schaltergehäuse wurde vor Weiterbehandlung einer verschärften Reinigung unterzogen.


Der Rest des Microschalters. Das Metallstäbchen überträgt theoretisch den Druck ins Innere.

 


So liegt die Metallplatte im Gehäuse

 


Schalter ist ins Gehäuse eingeklebt. Wenn doch nur die andere Seite auch so schön gemacht wäre…

Entfernen des alten Schalters

 


Mit kleiner Bohrmaschine und 2mm Bohrer wird das Teil „zerspant“.

 


Auch von der Rückseite bohre ich auf.

 


Schalter -> Krümmel.

Nach Entfernen des Schalters wird der „Schacht“ der den Schalter aufnahm erst mal so gefeilt, dass es wieder ordentlich aussieht. Danach suche ich mir in meiner Grabbelkiste einen neuen Microschalter. Ideal wäre ein wasserdichtes Exemplar, so was habe ich jedoch nicht. Ich nehme -so wie Ford auch- ein gaaanz einfaches Modell, Kostenpunkt liegt so um um die 40 Cent.


Anprobe: passt der Schalter so in etwa in den Spalt? So ganz genau muss es nicht sein, Feinheiten erledigen sich mit dem Klebstoff der noch kommt…

 


Jo, passt in etwa.

 


Der Schacht wurde von beiden Seiten mit Heißklebstoff gefüllt. Der Schalter ist fixiert, Kontakte wurden angelötet.

 


So siehts auf der anderen Seite aus.

 


Vielleicht nicht der Ehrenpreis der Handwerkskammer, aber sicher wasserdicht.

Abdichtung des Schalters gegen das Gehäuse

Und jetzt noch die echte Innovation 🙂 Das Problem ist ja, dass Wasser ins Innere des Gehäuses kommt.

Erste Idee war, die Gummiabdeckung auf das Gehäuse zu kleben. Dann geht sie aber bei späteren Problemen nicht mehr heil ab und außerdem könnte der Klebstoff (Aquariensilikon war angedacht) auftragen, so dass das Teil nicht mehr so gut in der Leiste sitzt.

Die umgesetzte Lösung war, den Schalter mit einem Stück Gummi abzudecken. Diese Abdeckung sollte wasserdicht sein. Damit kann durchaus Wasser ins Gehäuse kommen, der Schalter nimmt dabei aber keinen Schaden.

Das Gummistück wurde aus einem Fahrradschlauch geschnitten.


Das Gummistück (rechts)

 


So soll es mal liegen…

 


Falls das Ding mal wegrostet, sicherheitshalber die Maße aufgenommen

 

 

 

Und hier ist das Gummistück angeklebt. Ich habe großzügig Klebstoff verwendet. Man muss allerdings darauf achten, nichts auf den Schalter selbst tropfen zu lassen und die Metallplatte darf vom Klebstoff auch nicht behindert werden.

 


Der Schalter befindet sich nun hinter dem Gummistück

 

So verbessert, wurde das Schaltergehäuse wieder in die Leiste eingedrückt und die Leiste befestigt.

Ich habe bei der Gelegenheit gleich noch einen zweiten Schalter in die Tür eingebaut, den man von innen bedienen kann. Beim Verladen großer Teile hatte ich mir das manchmal gewünscht… Der Schalter sitzt in der Tür und wird von der Plastikabdeckung abgedeckt, so dass ein Entriegeln durch die Ladung nicht möglich ist.