Atari Mega STE

Durch Zufall kam ich an einen „Opa“ der PC-Welt, einen zwanzig Jahre altenAtari Mega STE der mittlerweile vom Markt verschwundenen Firma Atari. Mit dem Gerätetyp verbinden mich wesentliche Erinnerungen, da ein sehr ähnliches Gerät (der Atari 1040 STF) mein zweiter Computer überhaupt war (der erste war ein C64).

„Mein“ damaliger Atari 1040 STF hatte einen Verwandten, den Atari 1040 STE und dessen Nachfolger ist der hier beschriebene Atari Mega STE.

Dem Atari Mega STE war kein großer Erfolg beschieden. Er sollte im „Business-Bereich“ seine Kunden finden…. gegen die aufkommende Intel/Windows-Welle.
Die 1040er Serie wurde für Home-User eingeführt und kam zu einer Zeit auf den Markt, als 8086- und bestenfalls 80286-PCs verfügbar waren. Der 1040er war da mit seiner 68000-CPU mit 8Mhz von der Rechen-Power klar überlegen (beim 8086) oder in etwa gleichwertig (beim 80286).
Dies kann man für die Mega ST Serie nicht mehr sagen, da mittlerweile 80386-PCs verfügbar waren, deren CPU einfach leistungsfähiger waren, auch wenn der Mega STE schon mit 16Mhz getaktet wurde.

Dem 68000 werden bei 8Mhz 1 MIPS bescheinigt. Bei 16Mhz habe ich Werte um 1,5 MIPS im Internet gefunden (Quelle1 Quelle2). Der 8086 war mit 4,77 und später mit 8Mhz getaktet und klar unterlegen (0,33 bzw. 0,66 MIPS LOL). Der 80286 wurde ebenfalls bis 16Mhz getaktet. Bei 12Mhz schaffte er 1.8…2.6 MIPS (je nach Quelle1 Quelle2).
(Nebenbei erwähnt war der 68000 damit fast drei mal schneller als die VAX-11/780 CPU mit nur 0,5 MIPS. Und die VAX war so groß wie eine (oder auch zwei) Tiefkühltruhe(n) und hat Strom verbraucht wie ein E-Herd (Wikipedia-Artikel zur VAX 780 mit Bild) … aber jetzt schweife ich wohl zu weit ab … zurück zum Thema …). Zum Abschluss dieses Gedankenstrangs: Eine schöne Tabelle zu der MIPS-Geschichte bei Wikipedia.

Die 68000 CPU wurde bereits 1979 (!) am Markt eingeführt und war damit zum Zeitpunkt des Verkaufsstarts des MEGA STE (1991) eigentlich schon ein Oldtimer. Sie war aber sehr fortschrittlich entworfen und daher auch Anfang der 90ern noch eine Option zur Verwendung in kleineren Computern.

Warum reite ich so auf dem Thema herum? Ganz einfach: Auf dem Atari habe ich alle Programmieraufgaben im Studium, von Pascal bis C, programmiert und zahllose Programmierbasteleien durchgeführt. Für diese Geräte gab es in den 90ern massenhaft Software, vor allem freie, mit der man tolle Sachen machen konnte. Mit dem Atari ST habe ich praktisch das Programmieren gelernt und die Grundlage für mein ganzes Berufsleben gelegt. Wenn ein AVR Controller für 3 Euro heute 20 MIPS bringt und damit 10 mal die Performance vom 68000 hat, merke ich, wie viel Zeit vergangen ist…

Also war klar, dass ich den Mega STE wiederbeleben wollte, eine Frage der Ehre 🙂 Leider war er ewig nicht mehr genutzt, stark vergilbt und alle Kabel fehlten. Kabel, die nicht entfernbar waren, hatte der Vorbesitzer bei der geplanten Entsorgung mit dem Seitenschneider abgezwickt.

Mein Gerät von 1991 hatte von Atari 4 MByte RAM und eine 40 MByte Harddisk eingebaut. Ein deutscher Distributor hat den Rechner mit einer größeren Harddisk versehen und verkauft. Dabei ist ein Monitor SM146 sowie eine Tastatur/Maus-Kombination, die vermutlich nicht original ist, sondern wahrscheinlich von einem Atari Mega ST stammt. (Die Tastaturen waren untereinander austauschbar.)
Die eingebaute Harddisk entpuppt sich bei genauerem Nachforschen als eine 345MB Maxtor 7345S.

Im folgenden sind die einzelnen Schritte der Wiederbelebung beschrieben.

Wiederbelebung der Maus

Atari hat für alle Modelle dieselbe eckige Maus genutzt.
Diese Maus ist ziemlich rudimentär aufgebaut. Die Bewegung des Mausballs wird über zwei Drehbewegungsaufnehmer verfolgt. Diese Aufnehmer wandeln das Drehsignal durch die Nutzung von Lochscheiben in Rechteckimpulse um. Je schneller man die Maus bewegt, desto höher ist die Frequenz der Rechteckschwingung. Je weiter man die Maus wegbewegt, desto mehr Impulse werden erzeugt. Dies wird sowohl für die X- als auch für die Y-Achse gemacht.

Die Bewegungsrichtung (links-rechts bzw oben-unten) wird wie folgt bestimmt: Pro Drehbewegungsaufnehmer wird das Signal an zwei Lichtschranken aufgenommen. Je nachdem, an welcher Lichtschranke zuerst eine Signalflanke auftritt, ist es entweder rechts oder links (bzw. nach oben oder nach unten).

Die Maus ist mit 8 Signalleitungen mit dem Atari verbunden, der die Auswertung der Maussignale vornimmt.


Maus: Unterseite, Kabel leider abgeschnitten

 


Maus: Oberseite

 


Geöffnete Maus

 


Das Maus-Innere: Die vier rechteckigen Löcher in der schwarzen Plastikabdeckung enthalten die 4 Lichtschranken (je zwei Pro Koordinatenachse X und Y)

 


In diesem Bild sind die Leuchtdioden der Lichtschranken gut zu sehen.
Die schwarzen Drehräder (Lochscheiben) welche das Drehsignal in Lichtimpulse umsetzen, sind ebenfalls zu sehen.

Der LM339 ist ein 4-fach Komparator. Die vier Ausgangssignale (XA, XB, YA, YB) werden durch ihn bereitgestellt. Unten links und rechts die beiden Taster für die Maus-Buttons.

Zur Wiederbelebung wurde die Platine aus der Maus entfernt, um ein neues Kabel anzulöten. Das Kabel muss 8 Adern haben. Der Stecker ist ein 9-poliger SUB-D Stecker, der eine „female“ Ausprägung haben muss.

Die Steckerbelegung der Atari-Maus kann im Internet beschafft werden, z.B. im HardwareBook.

Die Abbildung der Steckerbelegung auf die Platinenpins musste durch Analyse ermittelt werden. +5V und GND ist einfach, da diese Pins auch in das IC hineingehen. Die Buttons sind auch einfach, da jeweils ein Button-Kontakt direkt herausgeführt wird (der andere ist an GND angeschlossen). Bleiben noch die Bewegungssignale. Diese werden irgendwie angeschlossen und, wenn dann alles zusammen läuft, auf Korrektheit überprüft. Kaputtgehen kann nichts, wenn diese vier Signale untereinander vertauscht sind.

Hier zur Info der momentane Stand:

Pin Mausfunktion Platinenpin
1 XB 3
2 XA 2
3 YA 5
4 YB 6
5 n.c.
6 Leftbutton 7
7 +5V 1
8 GND 4
9 Rightbutton 8

 


Die Platine. Man sieht hier die Lichtschranken (bestehend aus je einer LED(transparent) und einem Fototransistor(rot-transparent)) sehr gut. In den Aussparungen laufen die Räder (Lochscheiben).

 


Platinenunterseite

Als nächstes wurde gemäß obiger Tabelle ein neues Kabel angelötet.


Hier die Mausplatine mit neuem Kabel.

Nach dem Anlöten wurde die Maus mit einem Oszilloskop getestet. Wenn +5V und GND angelegt sind und die Maus bewegt wird, entstehen die erwarteten Signale am Mausstecker. Sieht also gut aus.

Mega STE

Hier einige Bilder vom eigentlichen Gerät.
Der ATARI-Monitor passt auf die linke Fläche, in die er genau einrastet. Die rechte Klappe verbirgt die Harddisk.


Ansicht von vorn

 


Die eher langweilige Seite ohne Anschlussmöglichkeiten

 


Anschlüsse des Geräts auf der Rückseite.
Von links: Floppy, Monitor, TV Out, ACSI, Drucker, 2 x seriell, ganz rechts Stereo Audio Out.
Die Klappe oberhalb der Drucker-Buchse ist ein Slot für einen VMEBus-Einschub. Ohne Einschub hat man hier einen weiteren seriellen Anschluss.

 


Anschlüsse der Geräts an der Seite:
Reset-Taster, „Netzwerk“, 2 x MIDI, Bus Extension, Tastatur/Maus

„Netzwerkbuchse“ klingt spannend, es handelt sich aber leider nicht um Ethernet. Ich meine irgendwo was von RS42x gelesen zu haben. Dieser Anschluss ist aber angeblich nicht in das OS integriert und damit ziemlich nutzlos.


Bus Extension in Großaufnahme. Rechts davon die Buchse fürs Tastatur/Maus-Kabel.

 


Geräteunterseite

 


Das Geräteinnere, Gesamtansicht

 


Herstellungsdatum: 05. Februar 1991 !

Linke Seite: RAM-Bänke, SCSI-Controller, ganz oben Lithium-Batterie

 


So gehören Lithium-Batterie und die Power-LED angeschlossen

 


Die linke Seite, hier von hinten aufgenommen. Die Blechabschirmung für den VME Slot wurde entfernt.

 


Diverse ATARI Custom Chips (welche?), der 68901 (USART-Chip), ganz links der Yamaha Soundchip YM2149F. Ganz rechts die Buchse für den VME Slot.

 


Der SCSI-Controller von ATARI. Nicht ganz kompatibel, von ATARI daher zur Sicherheit „ACSI“ genannt. Nicht alle SCSI-Harddisks liefen mit dem ACSI-Protokoll.

In obigem Bild ist auf dem ACSI-Controller ein Mäuseklavier zu sehen (rot, auch DIP Schalter genannt). Dieses Mäuseklavier hat folgende Funktion

Schalter-Nr. Funktion
1-3 Bitposition 0,1 und 2 der SCSI-Adresse des Controllers. Bei mir sind alle drei Bits=1, also ist die Adresse des Controllers 7.

 


Die RAM-Bank mit 4×1 MByte und den beiden ROMs, die das Betriebssystem TOS enthalten. Ich vermute es ist eine 2.05 Version.

In obigem Bild ist ein weiteres Mäuseklavier zu sehen (rot).
Dieses Mäuseklavier hat folgende Funktion

Schalter-Nr. Funktion
1-6 keine Funktion
7 HD-Floppy im Formatierdialog möglich (nur bei TOS 2.06)
8 DMA-Sound Hardware An/Aus

 


In der Mitte die 68000 CPU. Kühlung ist hier ein Fremdwort, für heutige Verhältnisse unglaublich. Die 4 Bausteine unten links und die beiden darüber kann ich nicht deuten. Die drei rechts sind GALs. Der freie Sockel ist für die 68xxx FPU.

Als nächstes ein Blick auf die eingebaute Harddisk.


Die Harddisk kann durch Lösen einer einzigen Schraube entfernt werden. Dazu muss das Gehäuse nicht geöffnet werden. Wäre für heutige Gehäuse auch wünschenswert…

 


Die Harddisk Maxtor 7345S (auch wenn 7345SR draufsteht). Sie hat 345 MB.

 


Bei meinem Exemplar war auf dem SCSI-Controller ein Pin weggebogen. Ob das so sein muss oder ein Fehler ist, muss ich noch rausfinden. Habe ihn erst mal wieder geradegebogen.
(War Absicht und ok so, siehe weiter unten im Abschnitt „Harddisk“).

Wiederbelebung des Monitors SM146

Der SM146 war wie der SM124 und SM125 ein monochromer schwarz/weiss-Monitor. Der SM146 ist ein 14“ Monitor (der SM124 hatte nur 12“). Er hat eine sogenannte „hohe Auflösung“ von 640×400.

Im folgenden einige Bilder vom Monitor

 


Alles etwas verstaubt…

 


aber nix auffälliges auf der Platine.

 


In der Bildmitte der Stecker P001, mit dem das Monitorkabel an das Gerät angeschlossen ist.

Am Monitor waren ebenfalls beide Kabel mit dem Seitenscheider abgeschnitten. Das Netzkabel war schnell wieder angelötet.

Die Belegung des Monitor-Steckers kann man ebenfalls im Internet finden, auch wieder im HardwareBook:
http://www.hardwarebook.info/Atari_ST_Monitor_Connector.

Der verwendete Stecker ist ein „Mini Diodenstecker 13 polig“, also ein Stecker aus der DIN-Serie. Bei Reichelt ist dieser Stecker im Angebot.

Zur Info mein Informationsstand als Tabelle. Fettgedruckt die Pins, die beim Monochrome-Monitor eine Rolle spielen: Die Pin-Nummern des Steckers gelten, wenn man auf die Stiftseite/Verbindungsseite des Steckers schaut.

Die Belegung des Steckers P001 habe ich für den SM146 nicht finden können. Sie unterscheidet sich von der des beim SM125 auch vorhandenen P001. Für den SM125 habe ich übrigens im Internet sowohl das Service-Manual als auch das Schaltbild finden können. Mit den folgenden Überlegungen/Messungen konnte ich aber die Pinbelegung für die Buchse auf der Platine herausfinden:

  1. Audio kann ermittelt werden, indem alle Pins nacheinander angefasst werden. Bei Pin 3 ist ein Brummen zu hören, dies ist also der Audio Eingang.
  2. „Monochrome Detect Signal“ bedeutet, dass monochrome Monitore dieses Signal auf GND ziehen. Damit erkennt der Atari, dass ein monochromer Monitor angeschlossen ist. Ich finde zwei Pins an P001, die auf GND liegen (2 und 6). Diese können für dieses Signal verwendet werden.
  3. Laut Service Handbuch haben die Sync-Eingänge eine Impedanz von 2 KOhm. Einen solchen Wert (genauer: 2,26 und 2,3 KOhm) messe ich an den Pins 4 und 8. Dies sind also die Sync-Eingänge. Durch Ausprobieren am laufenden Gerät kann ich dann VSYNC und HSYNC ermitteln
  4. In der Reihenfolge der Signale finde ich nun doch eine Übereinstimmung zum SM125. Damit steht dann auch das Signal „Monochrome Video“ fest.
Stecker-Pin Funktion Platinenpin (Stecker P001)
1 Audio Out 3
2 Composite Video
3 Clock Select
4 Monochrome Detect/Clock In wahlweise 2 oder 6
5 Audio In
6 Green
7 Red
8 +12V (520ST: GND!)
9 Horizontal Sync 4
10 Blue
11 Monochrome Video 5
12 Vertical Sync 8
13 GND 1 und 2 und 6

Nach diesem Schema muss das Monitorkabel mit Stecker angelötet werden.

Stecker ist bestellt…

Erstes Einschalten

Noch ohne Tastaturkabel und ohne Monitorstecker wurde das Gerät eingeschaltet.

Dazu wurde der Monitor vorübergehend mittels Laborkabel und Lötstiften an das Gerät angeschlossen.

Nach dem ersten Einschalten macht die Harddisk initiale Kopfpositionierungen. Danach weißer Bildschrim. Immerhin funktioniert also die Monitoransteuerung, denn nur mit funktionierender horizontaler + vertikaler Ablenkung kommt überhaupt ein weißer Bildschirm zustande.

Während ich beim weißen Bildschirm schon rätsele, was das Problem sein könnte, kommt plötzlich nach einigen Minuten das Startbild von GEM. Die Kiste funktioniert also schon mal, soweit ich das bis jetzt prüfen kann. Warum das Booten solange dauert ist mir unklar. Vielleicht ist das Problem, dass ich mangels Kabel Tastatur und Maus nicht anschließen kann. Die Harddisk wird allerdings nicht erkannt, kann auch ein Grund für die lange Bootdauer sein.


Sieht doch schon mal nicht so schlecht aus, oder? Eingeben kann man mangels Tastaturkabel nix. Die Maus ist via Tastatur angeschlossen, also kann man auch den Mauszeiger nicht bewegen…
Die Harddisk wurde nicht erkannt (sonst wäre nämlich mindestens ein C:-Icon da…)

 


Laboraufbau von der Seite. Laborkabel am Monitor, genaues weiß man nicht…

Harddisk wird nicht angesprochen

Obwohl ich noch keine Maus und keine Tastatur habe, schaue ich mir das Thema „Harddisk“ an. Diese initialisiert sich beim Einschalten selbst (kurzes Rattern, LED leuchtet kurz auf). Danach wird die HD nicht mehr angesprochen. Funktioniert also erst mal nicht.

Ich besaß einstmals die externe Harddisk „Atari Megafile 30“ und habe keine Erfahrung mit internen Harddisks und deren Controllern.

Daher beschäftige ich mich zunächst mit den Jumper-Stellungen der HD. Man kann die SCSI-Adresse einstellen (steht auf Adresse 0), festlegen woher die Terminator Power kommt (steht auf „from Drive“, möglich ist auch „from Bus“), eine Power-up Option (laut Hersteller nicht veränderbar, Jumper soll immer stecken, was er auch tut) und Parity Enable/Disable (steht auf Disable).

Laut diverser Foren und Atari-Doku gilt:

  • Der eingebaute ACSI-Controller von Atari kann kein Parity verarbeiten; diese daher disablen
  • Der eingebaute ACSI-Controller von Atari kann nur eine Harddisk ansprechen, und diese nur unter der SCSI Adresse 0 (mit Hardware-Modifikation kann er zwei Harddisks ansprechen, was bei meinem Gerät aber nicht gemacht wurde)
  • Terminierung durch die Platte soll abgeschaltet werden (eigentlich Quatsch für SCSI, aber für ACSI durch Atari selbst empfohlen).

Der Reality-Check zeigt, dass platten-seitig die SCSI-Adresse 0 eingestellt ist. Parity ist disabled. An der Terminierung kann man bei dieser Harddisk nichts verändern, ich lasse „Terminator Power “ auf „from drive“. Also alles bestens :-;

Da die Platte weiterhin nicht erkannt wird, suche ich im Netz weiter und werde irgendwann fündig (Link):

Die MAXTOR-Festplatten vom Typ 7213, 7245, 7290 UND 7345 funktionieren im MEGA STE und der STACY nur dann am original ATARI Hostadapter wenn die Resetleitung (Pin 40) unterbrochen wird!

Ich habe ja gerade die Maxtor 7345. Unglaublich, ein solches Detail für eine „tote“ Hardware-Plattform im Internet zu finden…
Und aha, das war der weggebogene Pin am Controller, der mir am Anfang aufgefallen war und den ich geradegebogen hatte. Ich biege Pin 40 weg, stecke alles wieder zusammen, und was passiert nach dem Booten? Siehe folgendes Bild!


Die Platte wird wieder erkannt und als Laufwerke C: bis H: eingebunden.
(Für Ungeduldige vielleicht noch wichtig: Der Atari braucht einige Zeit, bis er vom „weißen Bildschirm“ ins Booten von HD übergeht. Schätze so eine Minute muss man warten…)

Da der Atari nun auch annähernd die korrekte Uhrzeit anzeigt (Siehe im letzten Bild oben rechts), bedeutet das, dass auch die Batteriepufferung noch funktioniert. Kann man nach 20 Jahren eigentlich nicht mehr wirklich erwarten, ist aber so…

Anschluss der Tastatur

Die Tastatur wird mittels handelsüblichem RJ12 Kabel angeschlossen, Stecker an beiden Enden (Westernkabel; Alle 6 Pole dieses Kabels sind 1:1 durchgeschaltet; diese Beschaltung wird auch „6P6C“ genannt).

Der Anschluss des Kabels für Tastatur und Maus ist damit eine triviale Sache.

Nutzung

Ja, äh, also die Nutzung dieses Geräts. Heute. 2011.
Obwohl ich -in den 80/90ern- jahrelang täglich einen Atari genutzt habe, ist das Handling die erste halbe Stunde extrem „strange“. Vom aktuellen Ordner zum übergeordneten Ordner kommt man mit dem „Schließen“-Icon des aktuellen Fensters – wie bitte? Und wie beendet man eine Anwendung – öh, das ist je nach Anwendung ganz unterschiedlich… Die Menüleiste, die man heute kennt (Datei – Bearbeiten – Ansicht – …) gibts so nicht, wegen Pixelmangel. War das damals wirklich so kompliziert und vor allem: unlogisch? Wenn man die Maus ganz nach oben drückt, taucht diese Menüleiste plötzlich auf, … versteht eigentlich noch irgendjemand, was ich schreibe 🙂 Wie auch immer, man gewöhnt sich nach einer halben Stunde oder so daran.
Da ich bei der oben erwähnten Plattengröße viele Partitionen (C:, D:, E:, F:, G:, H:) habe, dauert es länger bis ich weiß was ich „for free“auf der Platte habe:

  • 1st Word Plus (ganz nette Textverarbeitung)
  • Tempus (sagenhaft guter und rasend schneller Texteditor, auch wenn ihn heute keiner mehr kennt)
  • Calamus (DTP Programm würde man heute sagen)
  • GFX Basic (zwei Kreuze)
  • Diderot (Zeichenprogramm)
  • Ein paar Fonteditoren
  • Leider kein C-Compiler 🙂

Wie geht es weiter?

„Offiziell“ ist die Plattform Atari+68000+TOS tot. Seit mehr als 10 Jahren.
Eine Suche nach einschlägigen Themen fördert heute noch zahlreiche Anlaufstellen im Web zutage. Nachdem Atari, das Betriebssystem TOS und die Atari-TOS-kompatiblen Systeme weitgehend Geschichte sind, ging die Geschichte nutzer-getrieben einfach weiter.
Es gibt heute Atari-Emulatoren in Software, die unter Windows und Linux laufen, weiterentwickelte, rasend schnelle Hardware-Clones, auf der die alten TOS-Programme immer noch laufen, und auch aktuelle Hardware, die den ursprünglichen Gedanken („68xxx CPUs sind eine geniale Plattform für die Entwicklung von Software“)  seitdem weiterentwickelt haben:

  • Die Firma Freescale hat die Idee der „altlast-freien“ CPU seitdem weiterentwickelt, das aktuelle, daraus resultierende Produkt trägt den Namen „Coldfire“
  • Die alten Software-Provider für die TOS-Plattform existieren heute nicht mehr oder haben sich anderen Gebieten zugewandt. Oft wurde aber „rechtzeitig“ die damals kommerzielle Software in Open Source Software überführt, so dass diese heute noch immer (und vor allem: im Source-Code -und oft verbessert) verfügbar ist
  • Die -von mir schon mal jetzt als legendär eingestufte- GNU Suite wurde auf die 68k-Plattform übertragen
  • Von Atari angestoßen, entstand die (Multitasking-fähige) MiNT-Plattform als Nachfolger von TOS (das ehrlicherweise nur Single-Task-fähig war)

Aus praktischer Sicht: ein beachtlicher Anteil der für die TOS/68K-Plattform wichtigen Software ist heute noch verfügbar! Eine kurze Suche bringt neben den bereits erwähnten Themen:

  • Uniterm – das damals beste Terminal-Programm
  • gcc – GNU C Compiler
  • Diverse Shells (golem, mupfel, …)
  • AHCC Compiler, dieser Compiler wird auch zur Entwicklung auf Coldfire verwendet und weiterentwickelt
  • Pure C – C Compiler, die Weiterentwicklung dieses Compilers wurde in den 90ern eingestellt, der Compiler ist aber in einer Binary-Variante im Netz verfügbar
  • Zahlreiche Assembler

Beispielhaft hier ein Screendump vom AHCC C Compiler.

<to be continued>

Datenaustausch vom/zum Mega ST

Ideal wäre eine LAN-Verbindung, die der Atari aber nicht hat. Allerdings gibt es in Netz diverse Selbstbauanleitungen zu LAN-Adaptern, die z.B. am ROM-Port betrieben werden können mit fertigen Treibern für TOS.

Ein Austausch mit Disketten ist simpel. Da Disketten heute rar sind -ich habe keinen Rechner mit Floppy-Laufwerk mehr- kann man dies via Uniterm-Programm mittels des kermit-Protokolls machen.
Für Uniterm/kermit braucht man nur ein Nullmodemkabel und kann dann mit 38,4KBaud Daten übertragen. Der Mega STE könnte deutlich mehr (habe was von 115,2KBaud gelesen) aber das kann man mit Uniterm leider nicht einstellen. Kermit muss dann PC-seitig als „Server“ gestartet werden („kermit -x“), Uniterm-seitig muss man das Übertragungsprotokoll „kermit“ einstellen. Danach mit get/put von Atari aus Daten hoch und herunterladen. Leider ist diese Verbindung nicht sonderlich stabil, liegt eventuell an meinem schlampig zusammenglöteten Nullmodemkabel.
Ich probiere dann mit dem rzsz-Paket herum „rz“ und „sz“ sind Linux-seitige Programme zum empfangen und Senden von Daten über das ZMODEM-Protokoll. rzsz ist unter OpenSuse einfach per YasT nachinstallierbar. (Link zu diesem Thema hier).

Die Nutzung von rzsz mit dem Atari besteht aus den folgenden Schritten

1) Installation des Pakets rzsz unter Linux

2) Terminalprozeß auf einem seriellen Port laufen lassen (getty Prozess)
Dazu die folgende Zeile (bzw. eine mit passenden Parametern) in /etc/inittab an der passenden Stelle eintragen (bei den virtuellen Konsolen):
S0:2345:respawn:/sbin/agetty -L 19200 ttyS5 vt100

3) Atari starten, Terminalprogramm starten, Baudrate auf 19200
stellen (8 Bit, no parity, kein Stopbit, Flow=XON/XOFF, Mode=FULL)
Terminalfunktion starten, evtl. <return> eingeben.
Unter Uniterm Transfer auf YMODEM stellen (ZMODEM gibts da nicht).
Es sollte ein Linux Login-Prompt kommen. Dort einloggen.

4a) Senden von Linux -> Atari
Auf Linux Rechner eingeben:
sz <dateiname> <datei2> …
Auf Atari Empfangsdialog öffnen.(Bei Uniterm: Alt-T eingeben).
Im Dialog dann „Empfangen“ wählen. Die Datei(en) wird/werden dann auf den Atari übertragen.

4b) Senden von Atari -> Linux
Auf Linux Rechner eingeben:
rz –ymodem
Auf Atari Sendedialog öffnen. (Bei Uniterm: Alt-T eingeben).
Im Dialog dann „Senden“ wählen. Die Datei(en) wird/werden dann auf den PC übertragen.

Die Verbindung mit rzsz ist wesentlich flotter und auch stabiler.

Weiterführende Infos

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